Battlestar Galactica – Der Tag danach

Nun will ich doch noch ein paar Worte zum „Battlestar Galactica“-Serienfinale loswerden. Es liegt wohl auf der Hand, dass dieser Eintrag massive SPOILER für diese finalen Stunden der Serie enthält.

Ohne Zweifel, das war ein fulminantes Finale. Zumindest die erste Hälfte der Doppelfolge war mit spektakulären Actionszenen, großartigen Raumschiff-Schlachtszenen und furiosen Cylon-vs.-Cylon-Kämpfen vollgestopft, so dass jedem SciFi-Fan das Herz höherschlagen müsste. Die CGI-Effekte waren überwiegend auf einem atemberaubenden Niveau, das man so bisher selten im TV gesehen hat. Dazu ein grandioser Soundtrack (sogar einmal mit einem Touch der original „Galactica“-Serie aus den 70ern, da wurden die Augen doch arg feucht ;-).

Etwas enttäuschend (und in den einschlägigen Foren im Web auch prompt stark umstritten) gestaltete sich dann jedoch der Abschied von den Charakteren sowie die „Aufklärung“ der großen Rätsel der Serie in der zweiten Hälfte der Doppelfolge. Da wurde zwar (wie in solch einer Episode auch erwartet) verstärkt die emotionale Karte gespielt und es gab einige versöhnliche Abschiede von den Charakteren. Doch so manche Entscheidung der Autoren ließ mich zwar nicht verärgert zurück, aber meine Erwartungen wurden auch nicht übertroffen. Irgendwie hatte ich wohl auch schon „befürchtet“, dass das Finale nicht die insgeheim erhoffte „big revelation“ bringen würde, die alle Storyfäden der letzten vier Jahre auf magische Weise wieder miteinander verknüpfen würde und den großen „Galactica-Masterplan“ enthüllen würde. (Eine Befürchtung, die ich im Übrigen auch für „Lost“ habe).

So habe ich einige Probleme damit zu akzeptieren, dass die gesamte verbliebene Bevölkerung der Flotte damit einverstanden war, auf all ihre technischen Errungenschaften zu verzichten und nochmal einen kompletten Neuanfang zu wagen. Auf diesem Weg hat man zwar eine nette Verknüpfung des Galactica-Mythos mit unserer Realität, aber wirklich nachvollziehen konnte ich diese Entscheidung nicht. So zerstritten und zersplittert wie die Überlebenden waren, kann ich mir nicht vorstellen, dass es ausgerechnet in dieser Frage nicht zu Aufständen kam. Aber gut, es passte zum Happy End.

Und dann wären da noch die lang erwarteten „Erklärungen“ für die Existenz der „Engel“(?) „Head-Baltar“ und „Head-Six“ und natürlich insbesondere Kara Thraces wundersame „Wiederbelebung“.

Dass man zuvor jahrelang einen riesigen Tamtam um die ersten 12 Cylon-Modelle machte und Nummer 13 („Daniel“) dann nur eine unwesentliche Randnotiz darstellte, empfand ich etwas unbefriedigend. Wie viele andere Zuschauer hatte auch ich mich zu der Annahme verleiten lassen, dass es irgendeine engere Verbindung zwischen ihm und Kara Thrace geben müsste. Doch Chefautor Ron Moore bot als einzige Erklärung eine Art göttliche Fügung oder Einflussnahme an — und selbst in diesem Bereich blieb er unspezifisch und beschränkte sich auf Andeutungen, die immerhin die Phantasien der Fans für viele Jahre beschäftigen dürften.

Ron Moore hat seine Vision des „Galactica“-Universums bis zum Ende durchgezogen und immer wieder im Verlauf der Serie die Bedeutung des „Göttlichen“ und deren wichtige Rolle für Geschehnisse im Galactica-Universum betont. Insofern ist es auch in meinen Augen keine „deus ex machina“-Notlösung, wenn er nun wesentliche Elemente der Mythologie auf ein unbestimmtes „Es war nunmal irgendeine göttliche Fügung“ zurückführt. Vielleicht hatten sich die Autoren über den Verlauf der letzten vier Jahre auch zu sehr in die Ecke geschrieben, um alle Storyfäden am Ende zu einem befriedigenderen Abschluss zu führen. Das Opera House, Kara Thrace, Daniel, die Ursprünge der Kolonien, die Prophezeiungen, die Intrigen Cavils und die Einbindung der „echten Erde“ — vielleicht war das alles etwas zuviel, um es unter einen Hut zu bringen. Insofern kann ich diese vage, aber zum Verlauf der Serie stimmige „Auflösung“ durchaus akzeptieren, auch wenn sie mich nicht vom Hocker reißt.

Als einzig richtig überflüssig ist in meinen Augen eigentlich nur der Epilog in unserer Gegenwart zu bezeichnen. Das war einfach zu plump, die predigende Message des „alles wiederholt sich“ zu offensichtlich auf dem Silbertablett präsentiert. Da hätte es auch schon gereicht, wenn man in dem finalen Flashforward lediglich Teile der Roboter-Werbung gezeigt hätte und dann nur ganz kurz „Head-Baltar“ und „Head-Six“ als schweigende Betrachter. Das hätte sogar noch mehr Gänsehaut-Potential gehabt.

Auch wenn das „Galactica“-Finale in manchen Aspekten vielleicht nicht ganz die Erwartungen mancher Zuschauer erfüllte oder gar übertreffen konnte, so bleibt aber dennoch meiner Meinung nach unbestritten, dass „Battlestar Galactica“ als Gesamtwerk eine der herausragendsten SciFi-Produktionen der TV-Geschichte darstellt. Insbesondere in den letzten zwei Jahren bot die Serie fantastisches Drama und großartige Schauspielerleistungen. „Battlestar Galactica“ verdient immer noch eine uneingeschränkte Must-See-Empfehlung. Und dank der Spin-Off-Serie „Caprica“ und dem TV-Movie „The Plan“ wird das Galactica-Universum wohl auch noch einige Zeit weiterexistieren.

Jetzt bin ich aber mal gespannt, ob demnächst auch die Charaktere in „Lost“ mit auffälligen Referenzen zu Gott und göttlichen Fügungen anfangen 😉

9 Antworten

  1. 1
    Marlene schrieb:

    Sag das nicht zu laut! 😉 Diese göttliche Fügung möchte ich wirklich nicht auch noch bei Lost erleben. Bei Galactica habe ich sie jetzt halbwegs akzeptiert – aber gerade diese freiwillige Aufgabe aller technischer Errungenschaften anstatt die gerade sich entwickelnden Menschen anzuleiten, ihre späteren Roboter nicht zu versklaven, hinterlässt einen üblen Nachgeschmack bei mir. Brrr, von dem Epilog mag ich gar nicht erst anfangen. Dafür All Along the Watchtower zu benutzen, grenzt schon an Blasphemismus den vegangenen Staffeln gegenüber.

  2. 2
    weckman schrieb:

    Gerade, wenn man bedenkt, dass Ron Moore ja nicht wirklich als Schreiber großer Happy-Ends bekannt ist, war ich auch ein wenig überrascht ob des extrem versöhnlichen Finales. Ich hatte der Möglichkeit, dass sich der klägliche Rest der Menschheit letztendlich auch noch selber vernichtet als mindestens genauso wahrscheinlich angesehen, aber da hat wohl vielleicht auch ein letztes Mal das Network ein Machtwort gesprochen, wer weiß…

    Was die Auflösung der ganzen Fragen angeht, so muss man es wohl so hinnehmen, wie es eben ist, vor allem auch deshalb, weil Moore ganz im Gegensatz zu Autoren wie Abrahms oder Straczynski, und das hat er ja auch immer offen zugegeben, keine von vorne bis hinten durchgeplanten Serien entwirft, sondern beim ihm und seinem Stab gilt wirklich „We make it up as we go along“. Diesbezüglich kann ich auch „The Last Frakkin‘ Special“ empfehlen, dann versteht man sehr gut, wie die Dinge sich bei BSG so entwickelt haben. Wenn man alleine bedenkt, dass sie sich die „Final Five“ mal eben so überlegt haben fürs Finale der dritten Staffel und es vorher selber nicht wussten, wird einem klar, dass es auf 100 mögliche Arten und Weisen hätte zu Ende gehen können, je nachdem, wer gerade wann wo auf welche Idee kommt.

    Trotzdem, da stimme ich Dir zu, wird diese Serie noch über Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte hinweg als Meilenstein des SyFy-, äh ich meine Sci-Fi-Genres gelten, alleine auch schon wegen des sehr mutigen visuellen Stils und des Sounds / der Musik. BSG war schon ganz großes ‚Kino‘!
    So say we all!

  3. 3
    Jojo schrieb:

    Schon komisches Finale, aber okay … bleibt wohl festzuhalten, dass die Götter im BSG-Universum Massenmörder sind?

  4. 4
    markusmaria schrieb:

    Meine Begeisterung hatte zwar bereits mit den letzten Folgen von Woche zu Woche abgenommen, aber auf so ein billiges und unbefriedigendes Ende war ich nicht vorbereitet. Die Serie war zwar allles andere als perfekt, aber da die Spannung so hoch gehalten wurde, habe ich gerne über die pseudophilosphischen Handlungsstänge hinweggesehen.

  5. 5
    Es muss doch einfach Antworten geben - Der Weltenforscher schrieb:

    […] gibt es eine US-Serie, die im SciFi-Bereich anzusiedeln ist und immer wieder mit einem interessanten Mystery-Arc (”God is love!”) aufwarten […]

  6. 6
    weckman schrieb:

    Diskussionswürdiges Ende hin oder her – BSG hat so einiges erreicht, auch außerdem der Geek-Gemeinde.

    „Battlestar Galactica at the UN“
    http://popwatch.ew.com/popwatch/2009/03/galactica-un.html

    Ich kann wirklich nur empfehlen, Euch mal das Video der zweistündigen Sitzung über Menschenrechte mit Edward James Olmos, Mary McDonnell, David Eick und Ronald B. Moore am Ende des Artikels anzusehen.

    P.S.: Für einen echten Gänsehautfaktor mal zu Minute 34 vorspulen und dann Olmos ‚Lektion‘ zum Thema Rassendefinition genießen. Wow!

  7. 7
    me schrieb:

    es git keine perfekten serien und schon gar nicht perfekte serienfinali. von diesem standpunkt aus betrachtet war der schluss von bsg für mich wirklich gut, die erste hälfte sogar ideal. die erste stunde war nicht nur wegen der spannung, der action, den effekten und der musik grossartig, sondern auch wegen den grossartigen ideen, die sich hier darboten. die art und weise wie die schlüsselszene im theater im kontrast zum eigentlichen geschehen im raumschiff gezeigt wurde, war einfach super. auch das überraschende scheitern der datenübertragung und die darauffolgende szene mit dem sprung zur erde war beeindruckend.

    dass die zweite hälfte dann nicht so grossartig war, stimmt leider. als enttäuschend würde ich sie nicht bezeichnen, für mich vielleicht etwas zu rührselig. alles halt ein lange abschiedsszene, wobei sowas eben bei den meisten serienfinali so ist.

    im grossen und ganzen dennoch die beste scifi serie der letzten jahre und das wird sie meiner meinung nach auch für eine weile bleiben, wenn ich an solch katastrophen wie tscc denke.

  8. 8
    Uwe schrieb:

    Die Aussagen von E.J.Olmos in der erwähnten BSG-Veranstaltung bei der UN sind wirklich bemerkenswert. Vor allem zum Stichwort „race“, aber auch zu „living in a game world“. Hier ein direkter Link zu einem Youtube-Video. In den Kommentaren dazu steckt übrigens noch eine gute Frage zu dieser BSG-UN-Konferenz: „Why is the bartender from the Enterprise there?“.
    http://www.youtube.com/watch?v=08VCkyG_C2s

  9. 9
    RC schrieb:

    Lost und BSG kann man hier echt nicht vergleichen. Anders als etwa bei BSG, führen die Lost Macher nichts ein, bevor sie nicht wissen wie sie es dann später auflösen können. Als Locke in Staffel 1 die Hatch im Dschungel fand, wussten die schon, dass in Staffel 2 Desmond darin sein würde usw…
    Lediglich kleinere Sachen, wie die konkreten Gespräche der Charaktere usw. werden „unterwegs“ erfunden.
    Bei BSG merkte man ja förmlich wie sie alles mögliche spontan erfanden, weil sie gerade mal so dachten es sei cool. RDM spricht in seinen Podcasts ja auch davon, wie er den Tod von Starbuck quasi kurz vor der Folge erst erdacht hat. Das hat der Serie dann echt nicht sonderlich gut getan.

Antwort schreiben

XHTML: Du kannst die folgenden XHTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>