Der "neue" Schmidt

Das neue Format für die „Harald Schmidt Show“ hat mir eigentlich recht gut gefallen. Es wirkte zwar alles etwas angestrengt und ohne roten Faden, aber besser als der sinn- und niveaulose Klamauk mit Pocher war’s allemal. Die Einspieler waren unterhaltsam, wenn auch keine großen Lacher dabei waren (dafür aber immerhin einige „hoh-hoh-hohs“) — aber zum ersten Mal seit Langem habe ich mich nicht darüber geärgert, meine Zeit mit dieser Show vergeudet zu haben. Schmidt (mit Bart) widmete sich fast ausschließlich nur noch „seriösen“ Themen aus Politik und Kultur und hat die ganze Abteilung der Boulevard-Themen der Klatschpresse angenehm ignoriert.

Dazu wurden ein paar kleinere Elemente von der „Daily Show“ übernommen (mehr Arbeit mit TV-Ausschnitten, Korrespondenten als Experten für alles, On-Screen-Einblendungen), aber prinzipiell wurde das grobe Late-Night-Format mit Stand-Up, Einspielern, Showband und Talk-Gast beibehalten. Allerdings frage ich mich mittlerweile ernsthaft nach der Existenzberechtigung von Helmut Zerletts Band in dieser Show.

Highlight der Premieren-Sendung war schließlich definitiv der Talkgast Wolfgang Grupp („Trigema“-Chef), der locker-unbekümmert aus seinem Fundus an unternehmerischen Erfolgsrezepten plauderte und dabei sicherlich den Zorn einiger Gleichstellungsbeauftragten gegen sich aufgebracht hat. Selbst Schmidt reagiert oftmals sichtlich amüsiert darüber, wie Grupp sich beispielsweise zum Stand der Emanzipation im Schwabenländle äußerte :).

Ein klarer Erfolg war’s insgesamt nicht (es fehlte dann doch in vielen Segmenten der Biss), aber man ist meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg. Interessant wird allerdings die Reaktion der Zuschauer auf das neue Format, das nun auch eine große Ähnlichkeit zum Konzept der „heute-show“ aufweist.

4 Antworten

  1. 1
    onlime schrieb:

    Zustimmung. So kanns gerne weiter gehen.
    Beim „Kulturteil“ ist allerdings stark aufgefallen, dass das für das Publikum einfach zu hoch war; kein Mensch hat gelacht oder applaudiert. Der thematisierte Autor, dessen Name mir sofort wieder entfallen ist, war mir selbstverständlich auch kein Begriff.
    Und waren die vorgestellten Exponate jetzt wirklich Kunstwerke oder Parodien auf solche?
    *sich zwischen all den Meta-Ebenen verirrt hat*

  2. 2
    sab schrieb:

    Beim “Kulturteil” ist allerdings stark aufgefallen, dass das für das Publikum einfach zu hoch war; kein Mensch hat gelacht oder applaudiert.

    Jau, das war um ein paar Stockwerke zu hoch. Aber selbst wenn man (so wie ich auch) kaum einen der Anspielungen verstanden hat, immerhin noch recht amüsant in der Präsentationsform. Die „Exponate“ waren nur Parodien.

  3. 3
    Anonymous schrieb:

    Stößt es niemand unangenehm auf, dass Schmidt im Vorfeld der neuen Sendung wiederholt betont hat, wie intellektuel sie sein wird (im Gegensatz zu „Schmidt & Pocher“), er immer etwas von Burgtheater, Thomas Bernhard und Peter Sloterdijk erzählt und dann doch nur etwas dahinerzählt, was unglaublich klug wirken soll, für Kenner aber nur Quatsch bedeutet? Ich mag Harald Schmidt gerne, aber warum ihn alle für einen Intellektuellen halten, habe ich nie verstanden. So zu tun ist ja nicht schwer, aber dahinter versteckt sich wenig mehr als aufgeschriebene Floskeln.

  4. 4
    sab schrieb:

    „Intellektuell“ ist natürlich auch immer eine Frage des Blickwinkels — ihm wird wohl zumindest in der Presse seine Bemühung hoch angerechnet, etwas mehr Interesse an Kultur bei den Zuschauern wecken zu wollen und eben nicht nur 08/15-TV zu machen. Da zehrte er bisher noch viel von dem Format, das er bei Sat.1 produziert hat. Er profitiert da auch von der Farblosigkeit von Figuren wie Kerner und Beckmann. Dass er darüber hinaus auch recht eingenommen von sich selbst ist, gehört auch ein wenig zu seiner „Marke“.

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