Sarah und die MTV Movie Awards
Dienstag, 5. Juni, 2007Ich habe schon seit ein paar Jahren keine MTV Movie Awards mehr gesehen – vor allem deshalb weil ich jedes Jahr das vorherige Programmieren meines VDRs vergessen hatte. Zudem sendet MTV digital allem Anschein nach auch keinen EPG. Aber dieses Jahr habe ich mir zwölf Knoten ins Taschentuch gemacht, um auf jeden Fall an die Show zu denken. Beim Timer-Programmieren habe ich zu meiner sehr gemäßigten Überraschung festgestellt, dass MTV und VIVA gar nicht mehr in der Kanalliste waren. Das neuerliche Einprogrammieren erwies sich dann auch schon nach fünf Sekunden als kapitaler Fehler, als beim Testen ausgerechnet „Hot or Not“ (oder wie diese Fleischbeschaushow auch immer heißt) auf VIVA erschien.
Meine Reaktion lässt sich in etwa so zusammenfassen:
Äh!?
Huh?
Oh. Mein. Gott.
[menu], [channels], [delete], [confirm]
Aber zurück zu den MTV Movie Awards, um die es ja ursprünglich ging. Nein eigentlich geht es um Sarah Silverman. Frau Silverman ist so eine Art Ingo Appelt, nur mit Eiern. Big balls. Ihr „Sarah Silverman Program“ hatte Anfang des Jahres bereits neue Maßstäbe in Sachen politisch unkorrektes TV gesetzt. Aber sie hatte sich schon lange zuvor in Shows wie „Greg the Bunny“, „Saturday Night Live“ und natürlich mit eigenen Stand-Up-Programmen einen berüchtigten Namen gemacht. Gut, ihr Humor zielt einzig und allein darauf ab, so richtig gegen alle gute Regeln des Geschmacks zu verstoßen, aber das macht sie nicht minder unterhaltsam – und ein kleines Dummchen mit flachen Witzen ist sie schon gar nicht. Diese Frau geht für einen Lacher geradezu über Leichen (oder mit Gott ins Bett). Sarah sieht süß und unschuldig aus – umso heftiger wirken die ungeahnten verbalen Tiefschläge, die sie aus ihrem düsteren Inneren hervorkramt. Sie hegt und pflegt das Image als „bitch“ und scheint es mit geradezu masochistischer Inbrunst zu lieben, andere Menschen zu provozieren, mit gesellschaftlichen Tabus zu spielen und dafür tief gehasst zu werden.
So war ihre Berufung als Host (Hostess?) der MTV Movie Awards dann vor allem ein Albtraum für die Sittenwächter des Networks, die im Sekundentakt den Zensur-„Beeper“ betätigen mussten. Sarah hielt sich zwar für ihre Verhältnisse etwas zurück, aber dennoch gab es für Freunde des gepflegten „did she really say that?“-Scherzes (aka „hohoho„) einiges zum Verarbeiten. Interessanterweise wurde sogar Promo-Partner Yahoo aus der Sendung „herausgebeept“. Die deutschen Untertitel machten es dem Zuschauer da etwas einfacher, man muss nicht mehr Lippen lesen um sämtliche Minderheiten-Angriffe mitzubekommen. Natürlich musste sich auch der Bearbeiter der deutschen Fassung ein wenig zurückhalten, Begriffe wie „dirty polack“ (in Richtung von John Krasinski) oder „jew town“ wurden auch in den deutschen Untertiteln geflissentlich übergangen.
Und Sarah Silverman hat es geschafft, dass mir zum ersten Mal die Knastschwester Paris Hilton ein wenig leid tat. Okay, ein ganz ganz ganz … ganz kleines bisschen, aber immerhin. Wie Paris da im Publikum saß und mit letzter Kraft versuchte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen… priceless.
Achja und die Award Show selbst? Ebenfalls sehr unterhaltsam, wenn man vorspulen kann. Dankesreden sind prinzipiell sowieso eher selten und mit Comedystars wie Robin Williams, Will Farrell, Mike Myers oder Sacha „Borat“ Cohen als Preisgeber und -träger sind kuriose und kurzweilige Auftritte bereits garantiert. Auch sonst gleicht die Zeremonie eher einer großen Party, die sich nicht richtig ernst nimmt und bildet somit ein extremes Kontrastprogramm zu der eingestaubten Oscar-Veranstaltung. Im großen Promotion-Kontext wirkt selbst die fragwürdige Kategorie „Best Summer Movie You Haven’t Seen Yet“ plausibel und die Home-Made-Movie-Spoofs-Kategorie gibt auch dem Nachwuchs eine Chance.
Die Show wird noch mehrmals auf MTV Germany wiederholt, Termine sind auf der MTV Homepage.
Und mit den erfahrenen TV-Alumni Kevin Williamson („Dawson’s Creek“, „Scream“) und Scott Winant („My So-Called Life“, „Huff“) hinter der Kamera handelt es sich bei diesem Sommer-Theater zumindest auf dem Papier auch nicht um eine 08/15-Produktion von blutigen Anfängern. Dennoch steht die Show von Beginn an unter schlechten Vorzeichen. Nicht nur der Sendeplatz außerhalb der TV-Season wirft einige Fragen auf, auch alleine der Name „Kevin Williamson“ trägt bei weitem nicht mehr den „Oha“-Faktor wie Ende der 90er, als er mit Dawson, Joey und Pacey das WB-Network quasi im Alleingang zum angesagten Teen-Network machte. Die TV-Flops „Wasteland“ und „Glory Days“ haben deutliche Risse in seinem Ruf hinterlassen – allgemein gilt er als ein Wahrzeichen einer vergangenen Teen-Generation, abgelöst von neuen Schreiberlingen wie Rob Thomas, Greg Berlanti und Josh Schwartz.
Wer ein „Dawson’s Creek“ meets „The O.C.“ erwartet, liegt eigentlich goldrichtig. Da sind wieder die von Williamson bereits zu „Dawson’s Creek“-Zeiten perfektionierten hochtrabenden und sperrigen Dialoge, die mit realistischen Teenager-Dialogen so rein gar nix zu tun haben, aber irgendwie dann doch einen gewissen Unterhaltungsfaktor haben. Da ist das hübsche, aber schüchterne Mädel von nebenan und die reizvolle Schlampe mit einem dunklen Geheimnis. Und dann eben
Ich hab‘ mir die Doppel-DVD jedoch nicht primär wegen der Videos gekauft, die typisch 80er Jahre von mauer Bild-Qualität und dazu auch noch auf 16:9 aufgezoomt sind. Sie sind zwar ein nettes Gimmick und sauber restauriert, aber in dieser Anfangszeit des Musikvideos überwogen noch recht statische Band-Aufnahmen ohne besondere Effekte. Nein, mir ging es vorrangig um den neu gemischten DTS-5.1-Sound, der auf der ersten Silberscheibe zu finden ist. Und der ist wirklich exzellent. Gerade bei den legendären Queen-Songs „Bohemian Rhapsody“, „Killer Queen“ und „Don’t Stop Me Now“ ist das geradezu ein sensationeller Genuss. Die Tracks wurden sorgfältig aufbereitet (auf der zweiten Disc gibt es auch ein kleines Video mit Brian May und einer Analyse von „Bohemian Rhapsody„) und es macht richtig Spaß, den Verstärker aufzudrehen und die einzigartige Stimmgewalt von Freddie Mercury in nahezu perfekter Brillanz zu erleben. Zu den Songs gibt es noch Commentary Tracks aller Bandmitglieder (inklusive alter Audio-Snippets von Freddie Mercury), die etwas dürftig an Informationen sind, aber dennoch eine ganz nette Ergänzung zum reichlich bebilderten 20seitigen Booklet darstellen.
Das seit längerer Zeit angekündigte Web-Projekt von Michael Cera („Arrested Development“) ist jetzt