Archiv des Jahres 2010


sabify 2010 – Meine Lieblings-Alben des Jahres

Sonntag, 19. Dezember, 2010

Es ist wohl eine dieser bizarren Ironien des Lebens, wenn man aus dem traditionell schneearmen Saargebiet in die Alpen zieht und dann trotz europaweiter Schnee-Apokalypse namens „Petra“ erneut kaum eine Flocke zu Gesicht bekommt. Naja, somit verliere ich auch keine Zeit durch Schneeschippen und kann mich meiner Spotify-Jahresabschlussliste schon am 4. Advent widmen.

Statt einer „Best of“-Liste mit Einzeltracks wie im vergangenen Jahr habe ich diesmal einen Fokus auf meine Lieblings-Alben gelegt, die mich in ihrer Gesamtheit überzeugten. Eigentlich wollte ich eine Top10 zusammenstellen, aber das hat bei weitem nicht funktioniert, stattdessen kam eine herrlich krumme Top32 zustande :). Ähnlich wie 2009 war auch das nun fast vergangene Jahr ein enorm „gutes“ Jahr in meinen Ohren — vor allem dank Spotify habe ich eine heftige Menge neuer Künstler gehört. Und das meist immer nur „nebenbei“, ich höre Musik eben vor allem beim Arbeiten und investiere meist wenig Zeit in die Suche nach neuem Material. Mein Trend ist daher auch dieses Jahr viel eingängiger Pop/Rock, meist nur einen Steinwurf von der Mainstream-Autobahn entfernt.

Die Reihenfolge ist eher zufällig, aber The Walkmen und The National stehen sicherlich nicht von ungefähr weit oben. Und Frightened Rabbit und Karen Elson … und The Black Keys und Broken Bells und … ach, ich denke, es wird deutlich, warum das eine Top32 wurde 🙂

Ich habe keine absolute Gewissheit, ob all diese Alben wirklich in 2010 auf den Markt kamen, ich verlasse mich stattdessen einfach mal auf die (zuweilen unzuverlässige) Spotify-Angaben. Stellvertretend für das gesamte Album habe ich jeweils zwei Tracks ausgesucht, um die Playlist handlich zu halten, hie und da habe ich auch etwas gemogelt 🙂

Link zur Spotify-Playlist.

1.) Angela Surf City von The Walkmen (Album: Lisbon, 2010)

2.) Blue As Your Blood von The Walkmen (Album: Lisbon, 2010)

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She & Him bei Conan

Sonntag, 12. Dezember, 2010

Holla die Waldfee, das Mädel kann ja auch die etwas lauteren Tracks stemmen.

Diese Version von „I put a spell on you“ ist leider nicht auf dem „Volume 2“-Album drauf, soll aber als Single auf den Markt kommen. Das Cover von Nina Simone ist zwar immer noch in einer anderen Liga, aber dieser Auftritt von Zoey Deschanel und M. Ward aus der „Conan“-Show vom 9.12.2010 gefällt mir besser als so manches aus „Volume 2“.

Und damit am dritten Advent noch etwas Weihnachtsstimmung aufkommt:

sabify special – 05/12/2010 – one day only

Sonntag, 5. Dezember, 2010

Jetzt übertreibe ich es mit dem Spotify-Wahnsinn hier im sablog, nun gibt es sogar eine Spotify-Playlist nur für heutigen Tag 🙂

Der Grooveshark-Widget-Baukasten scheint zur Zeit nicht zu funktionieren, daher nur der simple Link:
http://listen.grooveshark.com/playlist/Sabify_2010_12_05/40459292

1.) Don’t Panic von Coldplay (Album: Garden State – Music From The Motion Picture, 2004)

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The Wire

Dienstag, 30. November, 2010
The Wire hasn’t won an Emmy?
It should get the Nobel Prize for Literature!

      — Joe Klein (TIME)

Viel wurde bereits geschrieben in den zurückliegenden Jahren über die HBO-Serie „The Wire“ und ich komme wohl reichlich spät zu dieser Party. Eigentlich ist es eine Schande, dass ich erst jetzt, mehr zwei Jahre nach dem Ende der Serie und in einem deutlich über den Zenit geschrittenen sablog, einen ersten ausführlichen Eintrag zu „The Wire“ verfasse.

Vielen von euch erzähle ich nichts neues, wenn ich kurz die Handlung der Show zusammenfasse. Ich werde es dennoch möglichst spoilerfrei halten. „The Wire“ porträtiert den alltäglichen Sisyphus-Kampf der Polizeikräfte in Baltimore gegen das weit verzweigte Drogenbusiness in den sozialen Spannungsvierteln der Metropole. Dabei wird ein düsteres und über weite Strecken geradezu deprimierendes aber gleichzeitig höchst faszinierendes und detailreiches Bild von der Stadt und ihren undurchdringbaren Machtstukturen gezeichnet. Korruption und Vetternwirtschaft bestimmen das Bild, zahlreiche vermeintliche Führungspersönlichkeiten im Police Department sind in zweifelhafte Machenschaften verstrickt. Individuelle Initiativen von engagierten Polizisten werden oftmals bestraft, allerorten schaut man nur auf die Kriminalstatistik und nimmt auch fragwürdige Aktionen in Kauf, um einfach irgendwie die Zahlen zu beschönigen und im nächsten Wahlkampf als Erfolg darstellen zu können.

Auf der anderen Seite wird ein beklemmender Einblick in den Alltag der Bevölkerung in den vom Drogenhandel am meisten betroffenen Bezirken in Baltimore gezeigt. Die Drogenkartelle bestimmen nicht nur das Geschehen in den heruntergekommenen Drogenhochburgen, sondern haben auch einflussreiche Beziehungen auf die politischen Elite der Stadt. Schon vom Kindesalter an wird eine Generation nach der anderen einzig für das Überleben auf der Straße erzogen, öffentliche Schulen in Baltimore haben in vielen Fällen längst kapituliert und sind auch nur noch bemüht, am Ende des Schuljahres irgendwelche Statistiken zu frisieren.

In diesen Dschungel aus persönlicher Vorteilnahme, Intim-Feindschaften und organisierter Kriminalität soll sich im Baltimore Police Department eine neue Sondereinheit auf die besonders schweren Kapitalverbrechen des Drogenrings der Drogen-Legende Avon Barksdale fokussieren. Doch schon von Beginn an leidet diese Truppe unter der Führung von Lt. Cedric Daniels unter personellen und finanziellen Engpässen, bürokratischen und juristischen Hürden sowie Inkompetenz und Unwillen einiger beteiligter Ermittler. Zudem führt Avon Barksdale eine hocheffiziente und auf Sicherheit getrimmte Organisation, welche die Ermittlungsarbeit extrem schwierig macht. Der einzige Angriffspunkt scheint eine Überwachung der Telefongewohnheiten des Drogenrings zu sein, doch die Beamten kämpfen oftmals mit stumpfen Waffen gegen die gut und schlau aufgestellten Kriminellen, die ohne zu zögern über Leichen gehen.

„The Wire“ malt dabei nicht nur ein einfaches prozedurales Schwarz/Weiß-Bild von „Gut“ und „Böse“ oder „Cops gegen Drogenbosse“. Eines der zentralen Philosophien der Serie ist die Erkenntnis, dass Menschen in der Regel nun mal nicht in solch ein einfaches Raster passen. Die vermeintlichen „Helden“ der Serie, die auf der Seite der Polizei oftmals aufopferungsvoll gegen die Kriminalität kämpfen und sich rasch beim Zuschauer Sympathien erstreiten, haben selbst eine schattenreiche Vergangenheit oder hadern mit ganz persönliche Dämonen in ihrem Berufs- oder Privatleben. Selbst wenn den Ermittlern nach langer, penibler Arbeit mal ein Schlag gegen den Drogensumpf gelingt, ist der Triumph oft nur von kurzer Dauer, der Pyrrhus-Sieg verpufft schon wieder nach kurzer Zeit. Die Drogenbosse wiederum (und auch die kleinen Rädchen im System auf der Straße) werden ebenfalls als vielschichtige Charaktere gezeichnet, mit eigenen Idealen, Träumen und Zielen. Auch bei ihnen gibt es zahlreiche „Grauabstufungen“ — viele hatten nie eine Wahl, als im Drogensumpf zu versinken, während andere ganz bewusst diesen Weg wählen.

Um die Authentizität der Geschichte zu erhöhen, schrecken die Autoren der Serie nicht davor zurück, zentrale und liebgewonnene Charaktere auf brutale Weise aus der Serie zu schreiben, selbst wenn sie eigentlich noch einen interessanten Weg vor sich hätten. Man kann sich nicht sicher sein, ob eine Hauptfigur die nächste Episode überleben wird – nur weil der Darsteller vermeintlich durch langfristige Verträge an die Produktion gebunden ist. Dabei sind alle Handlungen und Personen eng miteinander verknüpft — jede Handlung hat irgendwann eine Konsequenz, möglicherweise auch erst einige Jahre/Staffeln später. So belohnt die Serie ihre treuen Zuschauer auf besondere Weise: Es ist oftmals faszinierend darüber nachzudenken, welche Ereignisketten über den Lauf vieler Staffeln und unter Einbindung zahlreicher Charaktere erforderlich waren, um ein bestimmtes Ergebnis zu bewirken. So kommt es nicht von ungefähr, dass man nach dem Ende der Serie am liebsten wieder von vorne beginnen möchte, da man nun all die Zusammenhänge und Backstories kennt, die manchen Ereignissen und Lebensläufen in den frühen Staffeln eine neue Bedeutung verleihen.

„The Wire“ ist in jeglicher Hinsicht ein Gesamtkunstwerk, man kann einzelne Staffeln kaum getrennt voneinander betrachten. Dennoch ist eine Standard-Frage unter Wire-Fans die Frage nach der „besten“ Season. Mein Favorit ist wohl Season 4, gefolgt von 1, 5, 3 und schließlich 2. Die vierte Staffel mit ihrem Schwerpunkt auf den jungen Hoppers von Baltimore hat mich am meisten berührt, deren oftmals herzzerreißenden Lebensgeschichten haben mich am stärksten fasziniert. Season 1 wiederum legte erst den Grundstein für den Rest der Show und setzte damit aber auch schon einen hohen Standard. Season 5 zeigte (leider stellenweise etwas überhastet), wie alles miteinander verknüpft ist. Season 3 hatte großartige „Bösewichter“ mit Stinger und Omar, aber nachdem ich im DVD-Menu einmal aus Versehen die falsche Folge auswählte und somit die Reihenfolge durcheinanderbrachte, war der Rhythmus der Season für mich etwas dahin. Bei Season 2 schließlich stimme ich mit vielen anderen Fans überein, dass diese Staffel zwar eine großartige Geschichte erzählte, aber dennoch etwas aus dem Rahmen der restlichen Staffeln fiel und eigentlich erst in Season 5 quasi nachträglich enger in die Gesamthandlung eingebunden wurde.

Es gäbe noch so viel mehr zu der vielschichtigen Serie zu schreiben, man könnte wohl zu jeder einzelnen Episode ein langes Essay verfassen wie man es sonst vielleicht nur bei Inhaltsanalysen von Romanen und anderen Literaturerzeugnissen kennt. Ich kann hier bestenfalls an der Oberfläche kratzen, alternativ wird das ein „Too Long, Did Not Read“-Eintrag :). Als nachbereitende Lektüre zu jeder Episode kann ich aber die ausführlichen Besprechungen von Alan Sepinwall empfehlen.

Kommen wir zur vermeintlichen Gretchen-Frage: Ist „The Wire“ die beste Serie aller Zeiten?

Ich habe einige Zeit gebraucht, um ansatzweise zu verstehen, warum es mir so schwer fällt, diese Frage eindeutig mit einem „ja“ zu beantworten. „The Wire“ ist ohne jeglichen Zweifel ein atemberaubendes Dokument der Zeitgeschichte, die bisherige Krönung televisonärer Erzählkunst und ich rechne fest damit, dass es diesen Status noch in einigen Dekaden aufrecht erhalten wird. Doch „The Wire“ ist meilenweit von dem üblichen Verständnis einer „Fernsehserie“ entfernt. Der Begriff wirkt geradezu seltsam unpassend für „The Wire“, zu oft wurde der Begriff in den zurückliegenden Jahrzehnten durch minderwertige Produktionen mit negativen Assoziationen besetzt. Eigentlich würden diese 60 Stunden einen eigenen Gattungsterminus verdienen. Das Zitat zu Beginn des Eintrags (aus den Bonus-Materialien der finalen Staffel) kommt wirklich nicht von ungefähr: Statt einem Emmy (den die Serie nie erhalten hat) wäre vielleicht eher ein Literatur-Preis angebracht.

Als ich meinen „The Wire“-Marathon für einen komprimierten Ausflug in die vierte Auflage der „Mad Men“-Zeitreise unterbrach, wurde mir erneut bewusst, wie lächerlich derartige Kriterien wie „beste Irgendwas“ eigentlich im Bezug auf solche Produktionen sind. Beides sind Werke, die ich als absolute Highlights der TV-Kunst bezeichnen würde. Aber ist eine Serie „besser“? „Mad Men“ fasziniert mich auf einer vollkommen anderen Ebene als „The Wire“. Während ich „The Wire“ für seine gesellschaftspolitische Ernsthaftigkeit bewundere, sehe ich wiederum die stilistische Erzählweise von „Mad Men“ als außergewöhnlich an. Während „Mad Men“ trotz der komplex gestalteten Charakterprofile in erster Linie unterhalten will, sehe ich in „The Wire“ auch eine bemerkenswerten Willen zur Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse unserer Gegenwart, der mit einem eindrucksvollen Erzählstil kombiniert wird.

Fazit: All den Pessimisten, die generell alles aus dem TV mit Verdummung gleichsetzen (und weltweit leider in 95% aller Fälle vollkommen Recht haben), sei dieses monumentale Werk als kleine Insel der Hoffnung empfohlen. Produktionen wie „The Wire“ sind der Grund, warum es sich auch heutzutage noch lohnt, einen Flatscreen neben die Bücherregale an die Wand zu hängen und nicht aus Prinzip alles schlecht zu reden, was aus der Flimmerkiste kommt. Sie sind selten, aber es gibt sie.

Wer das DVD-Set immer noch nicht in der Sammlung hat, der hat jetzt zu „Cyber Monday“ und „Christmas-Shopping“-Zeiten öfters gute Gelegenheiten, ein Schnäppchen zu machen. Bei Amazon.co.uk gibt es das komplette Set wie wohl jedes Jahr um diese Zeit aktuell wieder für den Tiefstpreis von 49.99 Pfund, leider ist der Pfund-Wechselkurs zum Euro aber gegenwärtig etwas „suboptimal“.

sabify 2010.11 – Playlist für November 2010

Sonntag, 28. November, 2010

Seit einem Jahr sammele ich nun schon meine Spotify-Playlists im sablog. Eigentlich wollte ich aus daher nur Künstler in diese „Jubiläums“-Playlist aufnehmen, die ich bisher noch nicht in einer Liste hatte. Natürlich kam es erstens anders und zweitens bin ich Spezialist in der flexiblen Interpretation meiner eigenen Regeln. So gibt es diesmal viele neue Künstler, die ich bisher noch nicht auf dem Radar hatte wie The Wave Pictures, Lonely Drifter Karen, Caitlin Rose und Warpaint. Sowie ein paar Newcomer namens Sting, Sade, Elvis Costello, Bee Gees, Dido und Jamiroquai, die alle sicherlich noch ganz groß rauskommen werden, wenn ihnen mal jemand eine Chance gibt.

Mein Highlight des Monats: Das Album „Lisbon“ von The Walkmen, dem ich mich endlich aufmerksam widmen konnte.

Spotify-Link: sabify 2010.11

In der Grooveshark-Version fehlen leider ein paar Songs. Und schon mal „sorry“ an all die YouTube-Nutzer in Deutschland, bei denen ein Grossteil der Tracks gesperrt sein dürfte.

1.) Wake Up Boo! von The Boo Radleys (Album: Wake Up!, 1995)
Track @ Last.fm
Um fünfzehn Jahre zurück in die Vergangenheit geht es gleich zu Beginn mit den Boo Radleys, trotz mehrerer veröffentlichter Alben leider irgendwie doch nur ein One-Hit-Wonder. Die Radio-Fassung des Songs ließ meistens das 30-Sekunden-Intro unter den Tisch fallen, das ihn erst zu einem echten „wake-up-song“ machte.

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Mad Men — Season 4

Montag, 1. November, 2010

Es sind schon ein paar Tage vergangen, seitdem das Finale der vierten Staffel der amc-Serie „Mad Men“ ausgestrahlt wurde, aber der überaus positive Gesamteindruck dieser Staffel hält bei mir weiterhin vor. Ich kann kaum auf alle Punkte eingehen, die mir beim Anschauen mal durch den Kopf gingen, aber ein paar Lobhudeleien will ich dennoch im Blog verewigen. Spoiler voraus.


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sabify 2010.10 – "all the pieces matter"

Sonntag, 31. Oktober, 2010

Pünktlich zum Monats-Ende kommt meine aktuelle Playlist, Zeitumstellung sei Dank.

Bei dieser Oktober-Playlist schlägt auch mein „The Wire“-Konsum durch, es sind ein paar Tracks vom Soundtrack eingebunden. Dazu wieder mal ’ne Menge Krempel aus der Alternative-Ecke sowie kleine Ausflüge in den französischen, deutschen und schwedischen(!) Sprachraum, garniert mit ein paar Remixes und „Reimaginations“.

Nach der sehr ruhigen September-Runde geht es diesmal auch deutlich flotter, poppiger und rockiger zur Sache. Mit knapp 60 Tracks und 200 Minuten Laufzeit ist es eine meiner längsten Monats-Playlists und diesmal gibt es auch wieder mal eine Grooveshark-Version, allerdings fehlen da eine Handvoll Songs.

Spotify-Link: sabify 2010.10

Wie üblich auch hier die Tracklist:

1.) Way Down In The Hole von The Blind Boys Of Alabama (Album: Spirit Of The Century, 2001)
Track @ Last.fm
Immer noch mein Favorit der „The Wire“-Themesong-Variationen (hier in einer etwas längeren Album-Version). Auch wenn ich festgestellt habe, dass nach 12/13 Episoden eigentlich alle Interpretationen sehr ins Ohr gehen.

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Cop-Shows 2010 im Schnelldurchgang

Freitag, 22. Oktober, 2010

Im Angesicht des Verbrechens

Zunächst mal noch der Hinweis auf eine deutsche(!) Krimi-Serie, die heute (Fr, 22.10.) mit einer Doppelfolge um 21:45 Uhr in der ARD startet (und bereits vor einiger Zeit auf arte lief): Die zehnteilige Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ habe ich selbst noch nicht gesehen, aber die Kritiken sind für eine Produktion „Made in Germany“ geradezu untypisch überschwenglich positiv. Daher habe ich einen Timer programmiert. Der WDR und BR haben richtig viel Geld (10 Mio Euro) und Zeit (2 Jahre) investiert und herausgekommen ist laut Kritikermeinung eine der besten TV-Produktionen der letzten Jahre. Was mal wieder eine alte These bestätigen würde: Das einzige, was die Deutschen im TV gut können, sind Comedies und Krimis. Oder beides auf einmal („Mord mit Aussicht“). Aber immerhin, gutes TV geht also auch in Deutschland — wenn man nur will.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Damit es der Vollständigkeit halber abgehakt ist, hier meine Eindrücke einer Auswahl der neuen Cop-Shows der US-Networks. Das ist eigentlich nicht mein favorisiertes Genre, aber dieses Jahr hatte ich einfach noch mal Lust, zu schauen, was so an Prozedurals dabei ist. Da breche ich auch ohne schlechtes Gewissen mit meiner Regel, immer mindestens zwei Episoden einer Serie für eine abschliessende Bewertung heranzuziehen.

Chase

Gleich die ersten Minuten zeigen genau, was die Show ausmacht: Toughe weibliche Polizistin jagt einen Gangster/Stuntman durch einen wilden Hindernis-Parcour. Natürlich ist sie smarter und fitter als all ihre männlichen Kollegen und kann auch einiges einstecken, bevor sie den Bösewicht schliesslich im Alleingang kaltstellt. Sie ist aber nur Teil einer Gruppe von US Marshals, die auf der Jagd nach Flüchtigen sind. Der Rest ist typische Action-Cop-Formel. Inklusive eines grünen Newcomers, dem man erst mal alles erklären muss (Hallo Holzhammer-Exposition) und durch dumme Fehler die Story voran bringt. Ansonsten wird viel gerannt und gesprungen … „The Chase“ eben. Alles nach Jerry-Bruckheimer-Formel 08/15. Schwache Quoten, scheint aber erstmal zu überleben.

Hawaii Five-0

Den Theme-Song dieses Remakes kennt wohl jeder, der in den 70ern oder 80ern aufgewachsen ist. Die Neuauflage fällt in die Kategorie des adrenalingetränkten und bleihaltigen TV-Schnellschuss, aufgepeppt mit ordentlich Wumms und Action-Drama sowie CGI-Effekten (in Hawaii regnets auch mal vom wolkenfreien Himmel). Schnell geschnitten dürfen coole guys und girls alle Regeln brechen, um die Gangster hinter Schloss und Riegel zu bringen. Dazu durfte Daniel Dae Kim gleich in Hawaii bleiben, Grace Park darf wie zu besten Cylon-Zeiten so richtig auf den Putz hauen und Alex O’Loughlin bekommt seine zwanzigste neue Show in zwei Jahren (oder so). In der Pilotepisode darf „Spike“ (schon wieder) den Bösen spielen. Wirklich nur was für Genre-Fans, die gerne das gleiche Rezept im xten Aufguss sehen wollen. Exzellente Quoten soweit.

Nikita

Dass das eher weiblich orientierte CW mit einer Crime-/Action-Serie aufwartet, kommt nur auf den ersten Blick überraschend. Denn diese Re-Interpretation des alten „Nikita“-Konzepts setzt den Schwerpunkt vor allem auf junge, attraktive Kämpfernaturen. Da kommt es dann auch nicht von ungefähr, dass Liebe und Rache wie in jeder Standard-Soap Hauptmotivationsgründe sind. So ist Nikita dann wie erwartet auch eher eine Action-Soap, die irgendwie starke Erinnerungen an „Dark Angel“ weckt. Für CW-Verhältnisse akzeptable Quoten.

Detroit 1-8-7

Auch diese Serie verdient sich das Prädikat „just another crime show“ mit Auszeichnung. Hier stehen verschiedene Abteilungen von Ermittlern in Detroit im Vordergrund, die an vermeintlich unterschiedlichen Fällen arbeiten. Das ist kombiniert mit einem angedeuteten Documentary-Stil, der die Sache etwas seriöser und „echter“ darstellen soll. Ein paar ungewöhnliche Charaktere (die natürlich mit unorthodoxen Mehoden ans Ziel kommen), ein flotter Soundtrack und ein paar plumpe Witze machen die Show zu einer durchaus passablen Cop-Show — aber am Ende dann doch nur „one of many“. Miese Quoten.

Blue Bloods

Hat mir stilistisch noch am besten gefallen. Eine ganze Familie steht seit Generationen im Dienste der New Yorker Polizei: Vom einfachen Streifenpolizisten bis hin zum Commissioner, aber auch eine Staatsanwältin. Das ist keine hochgestylte Action-Show, sondern mehr ein „dreckiger“ Blick auf alltägliche Polizeiarbeit. Die Pilot-Episode versucht etwas viel Handlung und zuviele Charaktere in 42 Minuten zu quetschen, so dass alles zu gehetzt und der „Case of the week“ viel zu einfach gelöst wirkt. Auch die „böse dunkle“ Verschwörung als Serien-Arc ist nicht mein Ding. Aber insgesamt machte die Episode hinsichtlich Regie und Kameraarbeit sowie Darstellerleistung einen guten Eindruck. Schwache Quoten.

„Outlaw“ und „Undercovers“ spare ich mir, die sind schon so gut wie weg vom Fenster.

Raising Hope

Mittwoch, 20. Oktober, 2010

Noch eine Comedy zum Start, auch hier gefiel mir der Trailer eigentlich recht gut. Erneut eine simple Prämisse: Ein junger Mann, der noch bei seinen Eltern (und Grossmutter) lebt, wird überraschend und sicherlich nicht auf alltägliche Weise alleinerziehender Vater. Eigentlich kann es sich die Familie nicht leisten, noch einen Mund durchzufüttern, geschweige denn ein sechsmonatiges Baby zu versorgen, doch der gutherzig-simple Jungvater will seinen unverhofften Nachwuchs nicht abgeben. Nach einigem Widerstand rappelt sich schliesslich die ganze Familie zusammen.

Eines fällt gleich beim ersten Anschauen auf: „Raising Hope“ könnte prinzipiell im selben Strassenblock wie „My Name is Earl“ spielen. Ähnliches soziales Umfeld, gleicher ruppiger Umgangston, vergleichbare Charakterzeichnungen. Und wenn man dann bei den Credits den Namen des „Earl“-Erfinders „Gregory Thomas Garcia“ entdeckt, hat man den erklärenden „Na, dann ist’s ja klar“-Moment. In den Hauptrollen sind unter anderem Cloris Leachman als köstlich senile (Ur-)Oma aka „Maw Maw“, Martha Plimpton („Goonies“ *) als frischgebackene Oma und Garret Dillahunt („Terminator: TSCC“) als neuer Grossvater zu sehen. Eigentlich muss man wirklich zum Stil der Show nicht mehr schreiben: Wer „Earl“ kennt, der kann sich auch schon den Grundton von „Raising Hope“ vorstellen, vielleicht mit etwas mehr Kuschel- und Familiengefühl. Insofern spare ich mir weitere Details und komme gleich zum…

Fazit: Eine hübsche, charmante Comedy mit Herz und ausgefallenem Humor. Alleine schon die herrlich kompromisslose Lösung der Autoren für das „Wie bekommen wir die Mutter aus dem Bild?“-Problem ist das Eintrittsgeld für die Pilot-Folge wert. Darüberhinaus hat sich die Show wohl auch dem „Family Lesson of the Week“-Konzept verschrieben, aber was schon bei „The Middle“ recht solide funktioniert, soll mir hier nur recht sein. Der schräge Humor gefällt mir und ähnlich wie „Running Wilde“ ist das hier kein Super-Duper-Hit (man hat ja niedrige Erwartungen dieses Jahr, *seufz*), aber immerhin eine schön ausgeflippte Comedy, die es vielleicht bei konstanter Leistung als Anlaufpunkt für all die enttäuschten „Earl“-Fans schaffen könnte. Weiterer Bonuspunkt: Erneut kein Laughtrack. Der noch recht unbekannte Hauptdarsteller Lucas Neff macht seine Sache gut, sein Love-Interest Sabrina (Shannon Woodward, „The Riches“) ist ein Cutie, aber wird von den goldigen Szenen mit Baby Hope in den Schatten gestellt. Dazu gibt es in Episode 2 einen Gastauftritt von Ukulele-Girl Kate Micucci.

Kategorie: Auch erstmal dranbleiben.

*Jau, ich habe ausgerechnet das uralte „Goonies“ aus ihrem Lebenslauf gepickt. Meine Kriterien dafür sind undurchschaubar, selbst für mich.

Running Wilde

Mittwoch, 20. Oktober, 2010

Nach dem frustrierenden Erstkontakt mit der neuen Herbstsaison in Form des „No Ordinary Family„-Debakels brauchte ich erstmal ‚was zum Lachen. Mein Favorit „Mr. Sunshine“ startet erst zur Midseason, also setzte ich all meine Hoffnung, den TV-Abend noch zu retten, in die „Arrested Development“-Spin-Off-Serie „Running Wilde“.

Okay, ist natürlich keine wirkliche Spin-Off-Produktion, aber Will Arnett spielt quasi den gleichen weltfremden Charaktertyp wie in AD, produziert auch noch gemeinsam mit AD-Alumni Mitchell Hurwitz. David Cross ist ferner einer der ersten Gaststars und bringt auch unter anderem gleich eine „Blue Man Group“-Anspielung unter. Zu guter Letzt (und das ist wohl auch das Wichtigste) ähnelt auch noch der abstruse-anarchische Humorstil von „Running Wilde“ dem seines grossen Bruders im Geiste. Ausserdem läuft die Show auch wieder auf Fox (*hrrarrg*).

Als würde dieser Familienstammbaum nicht schon genügend Argumente zum Einschalten anbieten, gibt es für mich als alten Fan der WB-Ära noch ein weiteres attraktives Element: Keri Russell aka „Felicity“ ist endlich wieder zurück in einer wöchentlichen TV-Serie. An dieser Stelle sei euch freigestellt, kurz in nostalgische Erinnerungen an diesen zehn Jahre alten TV-Teendrama-Klassiker (der AFAIK in Deutschland nie komplett ausgestrahlt wurde) mit Felicity, Ben, Noel und J.J. Abrams abzudriften.

In „Running Wilde“ spielt Will Arnett den in einer abgeschotteten Welt lebenden Steven Wilde, das Musterbeispiel für einen etwas tumben und von vorne bis hinten verwöhnten Spross einer grossen Unternehmerfamilie. Vom realen Leben „da draussen“ weiss er so gut wie gar nichts, echte (unbezahlte) Freunde hat er eigentlich auch nicht — aber stattdessen eine grosse (unerfüllte) Liebe. Diese „grosse Liebe“ Emmy (Keri Russell) stammt aber noch aus seinen Teenage-Jahren — sie lebt mittlerweile mit ihrem Verlobten Andy und Teen-Tochter Puddle(!) irgendwo tief im Urwald, um die dortigen Ureinwohner vor bösen kapitalistischen Umweltzerstörern zu bewahren. Bei diesen Umweltzerstörer handelt es sich natürlich prompt um das Mega-Unternehmen von Stevens Vater. Wie es der Zufall so will (oder besser die geschickt manipulierende Puddle) spinnt Emmy einen Plan, um das Wilde-Familienimperium zu infiltrieren und sieht ihre Bekanntschaft mit Steve als Möglichkeit, um ihre „Save the world“-Agenda umzusetzen.

Bizarre Story, aber die ist eh sekundär. Wichtiger ist die Antwort auf die Frage: Jibbet wat zum Lachen?

Fazit: Ja, es ist lustig. Reicht zwar auch (wie schon so viele zuvor) bei Weitem nicht an „Arrested Development“ heran, aber immerhin gibt es in gewisser Weise „GOB Reloaded“. Will Arnett und Keri Russell spielen ideal miteinander, Keri überrascht mit ordentlichem Comedy-Timing. Nicht jeder Gag ist ein Treffer und gelegentlich geht’s auch reichlich flach zu im Lande, aber viele kleine „throw-away jokes“ plus herzlich überlebensgrossem Schwachsinn ohne jeglichen Laughtrack machen „Running Wilde“ zu einem vielversprechenden Comedy-Abenteuer. Noch sind die Schuhe von „Arrested Development“ einige Nummern zu gross und nach den ersten beiden Episoden ist auch noch nicht ganz klar, ob die Show den dünnen Pfad zwischen Skurrilheit und Dämlichkeit lange erfolgreich beschreiten kann — aber im Moment heisst es mal noch: Soweit, so gut.

Kategorie: Erstmal dranbleiben.